Bezahlbares Wohnen

Ein sozialer Sprengstoff?

Das Grundbedürfnis Wohnen beschäftigt uns als Wohnungsunternehmen, die Politik und insbesondere viele Menschen in ganz Deutschland.

Im vergangenen Jahr 2017 haben sich 1.056 Mietwohnungsbewerber beim SWW registriert. Von Januar bis Dezember 2017 konnten 268 Mietverträge abgeschlossen werden. Dies entspricht einem Prozentsatz von 25 %. Den restlichen 75 % konnte vom SWW keine geeignete Wohnung zur Verfügung stellen.

Wenn diese Zahlen in der Öffentlichkeit diskutiert werden, kommen schnell die Annahmen hoch, dass von Seiten der Politik nichts getan wird und nicht genügend Wohnungen vorhanden sind. Daraus ergibt sich schließlich die emotionale Botschaft „Wenn ich eine Wohnung brauche, ist keine mehr da“. In der Bevölkerung machen sich Verlustängste breit, da die erforderliche Sicherheit für das Grundbedürfnis Wohnen verloren geht.

Die 75 % oder 788 Mietbewerber, die im Jahr 2017 keine Wohnung bekommen haben, machen im Landkreis Oberallgäu (153.759 Einwohner am 31.12.2016) Prozentual nur einen Anteil von 0,51 % aus (=788 ./. 153759). Es stellt sich trotzdem die Frage, was mit Ihnen geschehen ist. Deshalb wurden stichprobenartige Nachfragen bei den Kommunen durchgeführt, ob im Jahre 2017 Zwangsunterbringungen oder Rückeinweisungen für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, vorgenommen werden mussten. Außer in Immenstadt, die vier Fälle kurzfristig in Pensionen unterbringen mussten, war dies in keiner Kommune erforderlich.

Daraus kann geschlossen werden, dass die Mietwohnungsbewerber nicht von Obdachlosigkeit bedroht sind, sondern sich verändern möchten. Gründe hierfür sind z.B. zu kleiner/großer Wohnraum, Nachbarschaft, Lage, Arbeitsplatz, Lebensveränderungen (Tod, Scheidung, Trennung).

Jeder dieser Gründe rechtfertigt selbstverständlich einen Wohnungswechsel, jedoch geht daraus auch hervor, dass wir im Oberallgäu keine Wohnungsnot haben, sondern lediglich ein hoher Wohnraumbedarf vorhanden ist.

Diesen hohen Bedarf gilt es bestmöglich zu befriedigen. Die Staatsregierung hat mit ihrem Wohnungspakt Bayern bereits eine sehr gute Grundlage für den Neubau von gefördertem Wohnungsbau geschaffen. Innerhalb des Wohnungspakts werden drei verschiedene Säulen unterschieden. Im Folgenden soll auf die Säulen zwei und drei genauer eingegangen werden. Die Säule zwei unterstützt Kommunen beim Bau von gefördertem Wohnraum. Die Kommunen können selbstständig festlegen, welche Miethöhe sie für bezahlbaren Wohnraum ansetzen und welchen Mietern der Wohnraum zugesprochen wird. Die Mietbewerber müssen für die geförderten Wohnungen das Prozedere des Wohnberechtigungsscheines nicht durchlaufen. Konkret brauchen Sie Ihre Einkommens- und Lebenssituation gegenüber dem Landratsamt als zuständige Stelle nicht preisgeben.

Innerhalb der Säule drei, die von Wohnungsbaugesellschaften wie dem SWW genutzt werden kann, gibt es weitaus genauere Vorgaben zu den Themen Belegung und Mietpreise, die nicht nur für den Bauherrn, sondern auch für die Mieter aufgrund eines komplizierten Prozederes Nachteile bringen.

Es stellt sich die Frage, warum nicht auch kommunal beherrschte Wohnungsbauunternehmen die Säule zwei nutzen können und gleiche Förderbedingungen wie die Kommunen erhalten.

Ein wichtiger Vorteil der Säule zwei für das SWW als kommunales Wohnungsunternehmen liegt – zumindest im Oberallgäu – im sozialen Aspekt. Das SWW ist der Wohnraumanbieter für die Mieterklientel, die es schwer auf dem Wohnungsmarkt hat. Mit den 3.650 Bestandswohnungen wird seit Jahrzehnten darauf geachtet, dass dieser Personenkreis angemessen mit Wohnraum versorgt wird. Wenn dem SWW das gleiche Vertrauen wie den Kommunen entgegengebracht wird, können wir noch besser die Steuerung der Wohnungsverteilung übernehmen. Das SWW kann jährlich zwischen 270 – 320 Wohnungen auf dem Markt anbieten. Dieses Potenzial liegt den Oberallgäuer Kommunen nicht vor. Sie haben dafür im Jahre 1947 das Sozial-Wirtschafts-Werk des Landkreises Oberallgäu gegründet. Selbstverständlich hilft es den Kommunen, und damit den Menschen im Oberallgäu, wenn sie das Förderprogramm der Säule zwei mit umsetzen können.

Kommunen und kommunale Wohnungsunternehmen können aber nur gemeinsam den sozialen Sprengstoff entkräften und die benötigten Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung zur Verfügung stellen.